"Österreich ist aus unserer Sicht ein wichtiger Markt. Wir wollen hier künftig auch im serviceintensiveren Retailbereich eine Rolle spielen", sagt Karsten-Dirk Steffens, Direktor für Schweiz, Deutschland und Österreich. Geschäftsziele werden nicht genannt. Aber in der Schweiz verwaltet Aviva Investors bereits ein Vermögen von 2,8 Milliarden Euro. In Deutschland und Österreich sind es bisher gemeinsam ungefähr 1,3 Milliarden Euro, wie er zu FONDS professionell ONLINE sagte.

Bisher habe man in Österreich hauptsächlich institutionelle Kunden, die in ihre eigenen Multi Asset Strategien "mehr Risk Return einbringen wollen und die gleichzeitig über eine gemanagte Risikosteuerung ihre Volatilitäten glätten wollen", so Steffens. Aviva Investors setzen seit geraumer Zeit groß auf den Multi-Strategy-Ansatz, womit Investieren abseits von Benchmark- oder Investmentklassenbeschränkungen gemeint ist.

Munro muss dem Wachstumsdruck gerecht werden
Multi-Strategy/Multi Asset beziehungsweise eine Outcome-Orientierung ohne Benchmarks gilt als Vorzeige-Thema im Unternehmen, seit Euan Munro 2014 den CEO-Posten von Aviva Investors antrat. Er lancierte mittlerweile zwei der – zu Beginn groß angekündigten – Multi-Strategy-Fonds: Den Target Return Fund, der im Dreijahresverlauf eine Bruttorendite von fünf Prozent über dem EZB-Leitzins anpeilt und den Target Income Fonds (Rendite von vier Prozent über EZB-Satz). Zudem wurde im Februar 2017 der Alternative Income Solutions Fund aufgelegt, der mit einer Multi-Asset Strategie operiert und der in die Immobilienfinanzierung, Infrastruktur, Unternehmensanleihen und strukturierte Produkte geht. Letzter ist noch nicht in Österreich registriert.

Interessantes Detail: Munro gilt als Hauptarchitekt der erfolgreichen Multi Asset/Absolute Return-Schiene bei seinem vorigen Arbeitgeber Standard Life. Der wiederum sorgt derzeit wegen der Megafusion mit Aberdeen für Schlagzeilen: Nach dem Merger verwalten beide gemeinsam ein Vermögen von 760 Milliarden Euro. Größe ist in der Branche alles, die mittelgroßen Anbieter leiden häufig unter Abflüssen. Standard Life wandelt sich mit diesem Schritt endgültig vom Versicherer zum Asset Manager.

Und hier schließt sich der Kreis. Denn exakt mit dem selben Ziel war auch Munro bei Aviva Investors angetreten, die zum britischen Versicherungsgiganten Aviva Group (eine der global größten Gesellschaften) gehören. Er wolle die Stellung von Aviva Investors innerhalb des Konzerns ausbauen und den Namen Aviva wegbringen vom "Autoversicherungsimage", sagte Munro in einem Brancheninterview.

Auch hier ist also der Umbau im Gange. Aviva Investors verwalten nach Eigenangaben rund 397 Milliarden Euro. Das ist bereits der Großteil der konzernweiten Assets Under Management, die sich auf 518 Milliarden Euro belaufen.

Kreativität versus Risikomanagement
Multi-Strategy fordere mehr Eigeninitiative von den Fondsspezialisten, sagte Juozas Barauskas, Investmentspezialist bei Aviva Investors, zu FONDS professionell ONLINE in einem Seitenhieb auf Benchmark-beschränkte Fonds. "Es genügt nicht, einen Investmentstar im Team zu haben, der sein Wissen für sich behält. Stattdessen muss es das Team schaffen, unter den vielen Marktchancen die besten auszuloten. Kreativität ist daher einer unserer Pfeiler", sagte Barauskas im Gespräch auf dem FONDS professionell KONGRESS 2017, der kürzlich in Wien stattfand.

Und wie schwer ist es zur Zeit, den sicherheitsliebenden institutionellen Investoren, die sich gern am einfachen Prinzip Benchmark-Überrendite anhalten, das Thema Multi-Strategy zu verkaufen? "Gerade hier sehen wir Freiheiten, die andere nicht haben. Wir können auf fallende oder steigende Kurse setzen und uns so positionieren, dass wir weniger anfällig für irgendein Marktrisiko sind. Man darf sich nicht auf eine Investmentidee verlassen, sondern man muss das Risiko managen", so Barauskas. (eml)