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04.09. | 2015

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Urteil zu Franken-Kredit: Bank muss Negativzinsen weitergeben

© Hai Huy Ton That | Atu Studio | Dreamstime.com

Das Landgericht Feldkirch erließ ein brisantes Urteil zu Negativzinsen bei Fremdwährungskrediten: Eine einseitig festgesetzte Zinsuntergrenze von Seiten der Bank ist unzulässig.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führte – im Auftrag des Sozialministeriums – eine Verbandsklage gegen die Raiffeisenbank Bodensee. Wie viele andere Kreditinstitute hatte es die Bank abgelehnt, Negativzinsen an ihre Fremdwährungskreditnehmer weiterzugeben. Die Marge von 1,375 Prozent stelle die Untergrenze der Sollzinsen dar, teilte die Raiffeisenbank ihren Kunden per Brief mit. Solange keine Einwände erhoben würden, gehe man von einer einvernehmlichen Vertragsänderung aus. Der VKI klagte sowohl gegen diese Form der Vertragsänderung, als auch gegen die einseitig festgesetzte Zinsuntergrenze. Das Landesgericht Feldkirch gab dem VKI Recht, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Bei Fremdwährungskrediten wurde die variable Zinsanpassung in der Vergangenheit meist an den Referenzzinssatz Libor gebunden. Auf den jeweiligen Wert wurde dann eine Marge vereinbart. Der Sollzinssatz des Kredites setzte sich also aus Libor plus Marge zusammen. In den vergangenen Monaten sank der Indikator nun aber überraschend unter Null. Die Folge: Wenn Negativ-Libor plus Marge unter Null zu liegen kämen, müsste die Bank den Kreditnehmern Zinsen zahlen (Negativzinsen), statt von den Kreditnehmern Zinsen zu bekommen. Das haben nahezu alle betroffenen Kreditinstitute versucht auszuschließen – so auch die Raiffeisenbank Bodensee.

Fremdwährungskreditnehmer der Raiffeisenbank Bodensee bekamen im Februar 2015 ein Schreiben der Bank mit folgendem Inhalt: "In den letzten Wochen haben die Turbulenzen an den Geld- und Kapitalmärkten überhand genommen. ... Da die ... beschriebenen Entwicklungen auf den Geldmärkten (u.a. mit negativen Indikatoren) nicht vorhersehbar waren, wurde dies bei Abschluss des Kreditvertrages nicht geregelt, sodass auf Grund dieser Umstände eine Vertragslücke entstanden ist. Um diesbezüglich Klarheit zu schaffen, werden wir Ihnen daher, solange der Wert des Indikators zum Zinszahlungstermin unter 0 Prozent liegt, nur den Zinsaufschlag in Höhe von 1,375 Prozent als Mindestzinssatz verrechnen. Dieser Mindestzinssatz ist als Geschäftsgrundlage für die Bedeckung unserer Risiko-, Sach- und Personalkosten notwendig. Wenn wir von Ihnen bis 15.4.2015 keinen anderslautenden Vorschlag erhalten oder Sie keine Einwendungen erheben, gehen wir davon aus, dass Sie unser Angebot zur Vertragsergänzung ... akzeptieren und somit annehmen."

Einseitige Vertragsänderung
Das Landesgericht Feldkirch geht davon aus, dass durch dieses Schreiben der Bank dem Verbraucher ein unklares und unzutreffendes Bild seiner vertraglichen Position vermittelt wird. Raiffeisen nehme eine einseitige Vertragsänderung vor, so das Gericht. Der Brief stelle keineswegs – wie argumentiert – eine "bloße Serviceleistung" dar. Die Erklärungsfiktion sei unwirksam, da sie nicht mit den AGB der Bank in Einklang steht. Verbraucher werden nicht darauf hingewiesen, dass die Zinssatzänderung höher ist, als jene die sich aus der vereinbarten Zinsanpassungsklausel ergibt.

In seinem aktuellen Urteil sieht das Landesgericht aber auch den Inhalt der Klausel selbst für gesetzwidrig an. Die Einführung einer Untergrenze ohne gleichzeitige Obergrenze verstößt gegen das Gebot der Zweiseitigkeit in § 6 Abs 1 Z 5 Konsumentenschutzgesetz. Dem widerspricht nicht, dass der Oberste Gerichtshof "Nullzinsen" oder gar "Negativzinsen" bei einem Sparbuch als unzulässig betrachtet. Zwar sind Kreditverträge grundsätzlich entgeltliche Verträge, doch werde vom Kreditnehmer ein solches Entgelt - neben den Zinsen gibt es beispielsweise auch ein Kreditbearbeitungsentgelt - grundsätzlich bezahlt. Eine zeitweilige Verpflichtung der Bank Negativzinsen zu zahlen, spricht dem nicht entgegen. (mb/APA)

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Antworten

Unnötig kompliziert

von cgernandt am 09.09.15, 16:00

Die Sache ist eigentlich sehr einfach und hätte niemals, wäre da nicht das versuchte "Sand-in-die-Augen-Streuen" der einen oder anderen österreichischen Bank, zu einem Thema für die Gerichte werden müssen.

Jeder Vertrag zu einem Fremdwährungskredit enthält (auch die "Ausweichsmöglichkeit" EUR-Finanzierung regelnd) eine für die ganze Laufzeit gültige, rein arithmetisch leicht zu verstehende Zinsberechnungsformel, nämlich "Refinanzierungskosten" (d.h. LIBOR bzw., in Prinzip, EURIBOR) plus Zinsmarge. Wenn eine negative Zahl zu einer positiven Zahl addiert wird, "schrumpft", wie wir alle wissen, die positive Zahl um den Wert der negativen Zahl, u.U. sogar ins Negative hinab. Die Pflicht zur "Weitergabe" der Negativzinsen ergibt sich also ganz automatisch aus dem sehr eindeutigen Inhalt der Zinsklausel.

Wie ich schon früher einmal erwähnt habe, gab es, ebenfalls beim CHF, in den frühen 1970er Jahren eine Zeitlang Negativzinsen. Der geldmarktpolitische Grund war auch damals, dass die SNB übermäßige Zuflüße aus dem Ausland verhindern wollte. Zu jener Zeit standen in Österreich Fremdwährungskredite (fast) nur Firmenkunden zur Verfügung und es war eine, eben aus den Kreditverträgen mühelos abgeleitete Selbstverständlichkeit, dass negative Interbankzinsen die den Kreditkunden zu verrechnenden Sollzinsen 1:1 reduzieren mussten. Jetzt simulieren die Banken eine institutionelle Amnesie bezüglich doch relativ rezenter Geldmarktentwicklungen (wo bleiben die bankinternen Volkswirtschaftler, Archivare und Wirtschaftshistoriker?) und tun so, als wäre die Situation "neu und unvorhersehbar" und als machte sie eine "Klarstellung" notwendig. Diese Art der Argumentation hätten die Banken vor 40+ Jahren gegenüber ihren Firmenkunden nie im Leben zu versuchen gewagt. Der jetzige Vorstoß ist unwürdig und billig!

Der OGH-"Ukaz", dass Banken keine negativen Sparzinsen verrechnen darf, ist in diesem Licht an sich unlogisch, dürfte aber, zumindest bis zum Eintritt einer großen Deflation, keine Probleme verursachen, da wohl keine Bank mit negativen Sparzinsen auffallen möchte. Ich bezweifle, dass sich das Schweizer Höchstgericht jemals mit dieser Frage auseinandergestzt hat, weiss es aber nicht. Ein stichprobenartiger Blick auf die aktuelle dortige Sparzinsenlandschaft erzeugt jedenfalls den Eindruck, dass die Banken für sogar recht namhafte CHF-Beträge "erfreulich" positive Zinsen bezahlen, darüber hinaus jedoch nur minimalst- bis Nullzinsen.

Mit freundlichen Grüßen,
Dkfm. Claes P. Gernandt

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