Dass die Investmentindustrie männlich dominiert ist, ist hinlänglich bekannt. So liegt etwa der Anteil der Fondsmanagerinnen in Deutschland laut einer Statistik der Fondsfrauen gerade einmal bei knapp zehn Prozent. Um das zu ändern und die Gleichstellung von Frauen in der Investmentbranche zu stärken haben sich die Fondsfrauen im Jahr 2015 in Deutschland zusammengetan. Jetzt hat sich das Karrierenetzwerk dazu entschieden, auch in Österreich durchzustarten.

Unterstützt wird das Frauennetzwerk von der Raiffeisen Bank International und den beiden Töchtern Raiffeisen Capital Management. Dort fand am Mittwoch auch die Auftaktveranstaltung dazu statt. Knapp 130 Teilnehmerinnen – und Teilnehmern – waren gekommen, um mehr über die Vorhaben der Truppe zu erfahren. Neben Anne E. Connelly, Gründungsmitglied der Fondsfrauen in Deutschland, trat auch die Philosophin Rebekka Reinhard als Gastrednerin auf, die Gedankenanstöße aus ihrem Bestseller "Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen)" einbrachte. Als Proponentinnen der Fondsfrauen in Österreich fungieren Veronika Lammer, Investmentexpertin bei Raiffeisen Research, und Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management.

Gemischte Teams sind besser
Wie wichtig ein Netzwerk für Frauen ist, betonte Connelly: Studien würden belegen, dass gemischte Teams größeren unternehmerischen Erfolg haben. "Dies sollte die Investmentbranche für sich nutzen und in allen Bereichen anstreben", so Connelly. Doch noch immer seien insbesondere die Fondsbranche durch niedrige Anteile an Fondsmanagerinnen im Vergleich zu Fondsmanagern gekennzeichnet. In Deutschland lag die Zahl 2016 laut Connelly bei 9,26 Prozent.

Gesetze für eine Genderquote in Aufsichtsräten von Aktiengesellschaften sorgten zwar für viel Diskussionsstoff sowohl in Deutschland als auch in Österreich doch hätten diese für viele lediglich Signalwirkung. "Daher bedarf es Anstrengungen auf breiterer Basis sowie Bewusstsein und Mut seitens der Frauen und Männer, Verhalten zu ändern und wohlwollend zu akzeptieren. Dafür setzen wir uns ein", beschreibt Connelly die Mission der Fondsfrauen.  

"Frauenförderung ist kein Selbstzweck"
Auch Veronika Lammer, die Österreich im Beirat der Fondsfrauen vertritt, schloss sich dem an: "Frauenförderung ist kein Selbstzweck, sondern sowohl volkswirtschaftlich als auch betriebswirtschaftlich sinnvoll." Volkswirtschaftlich, weil Frauen durchschnittlich besser ausgebildet seien als Männer und zusätzlich noch andere Fähigkeiten und Sichtweisen einbrächten. Betriebswirtschaftlich, weil ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen positiv mit der Ertragskraft der Unternehmen korreliere.

"Wir möchten mit diesem Netzwerk einen Beitrag leisten, dass Frauen im Finanzsektor bessere Aufstiegschancen haben. Ein wichtiges Anliegen ist uns aber auch, das Wissen über Veranlagungen zu erhöhen und Frauen zu mehr finanzieller Vorsorge anzuregen", so Lammer. Darüber hinaus würden die Fondsfrauen, so Ingrid Szeiler ergänzend, die Möglichkeit eröffnen, sich über die Grenzen des eigenen Arbeitgebers hinaus, mit Frauen der Branche zu vernetzen. "Dadurch erhalten wir mehr Information, lernen schneller und gewinnen an Profil. Frauen werden so auch sichtbarer für weibliche und männliche Kolleginnen, Vorgesetze und Headhunter", so Szeiler.

Die deutsche Philosophin Rebekka Reinhard beschäftigt sich indes mit Führung, Ethik und weiblicher Macht und will Frauen ermutigen, umzudenken und ganz bewusst nach Macht zu greifen, um ein erfülltes privates und berufliches Leben zu führen. "Jede Frau muss sich damit auseinandersetzen und sich fragen: Was will ich? Wofür lebe ich? Wie kann ich Freiräume schaffen? Und wo kann ich am meisten bewirken?" Wichtig sei, den Schritt vom Denken zum Tun zu wagen. (cf)